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Digitale Demenz — Digitales Vergessen

15. September 2011 Kommentare

Immer mehr Psychologen sind der Meinung, das es eine Digitale Demenz gebe. Die mangelnde Fähigkeit vieler Autofahrer, Karten lesen zu können und sich ohne technische Hilfsmittel orientieren zu können würden immer mehr technikabhängige Fahrer durch ihre Navis verlieren, da sie sich nur noch auf ihre Geräte verlassen würden.

Ich denke, dass man das nicht nur auf das navigieren von A nach B beziehen kann, sondern generell verändert sich unser Lern- und Merkverhalten grundlegend durch die schöne neue Technikwelt. Ein Reporter einer bekannter Computerzeitschrift meinte dazu „unser Verhalten ändert sich grundlegend, denn wir müssen nun lernen schnell die bereitgestellten Information zu filtern, zu bewerten und auf deren Basis zu entscheiden„.

Ich muss ehrlich gestehen, das ich auch zu diesen Demenzkranken gehöre… zumindest teilweise.  Wenn man sich das Wort „Demenz“ mal genauer anschaut, dann würde ich das nur teilweise auf mich anwenden. Lt. Wikipedia ist Demenz nämlich:

Eine Demenz ist ein Defizit in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, das zu einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen führt und meist mit einer diagnostizierbaren Erkrankung des Gehirns einhergeht. Vor allem ist das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik; bei einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Maßgeblich ist der Verlust bereits erworbener Denkfähigkeiten im Unterschied zur angeborenen Minderbegabung.

Also ich kann mir schon vorstellen, dass es heutzutage auch immer mehr dazu kommt, das man durch die Technik emotionale und soziale Fähigkeiten verlernt, aber das insbesondere würde ich jetzt auf mich mal nicht anwenden. Vielleicht ist ja auch „Demenz“ nicht so ganz die richtige Beschreibung. Vielleicht sollte man es besser „Digitales Vergessen“ nennen.

In einer in Südkorea erstellten Umfrage unter rund 2.000 Büroangestellten klagten 63 Prozent über Vergesslichkeit. Und rund ein Fünftel von ihnen machte dafür ihre wachsende Abhängigkeit von elektronischen Geräten wie Handys und Computern verantwortlich. «Da sich die Menschen mehr auf die Informationssuche als auf das Erinnern verlassen, entwickelt sich die Gehirnfunktion des Suchens, während sich die Gedächtniskapazität vermindert», sagt Professor Yoon Se-chang vom Samsung Medical Center in Seoul. Eine starke Abhängigkeit von digitalen Geräten vermindere die Fähigkeit, sich zu erinnern.

Ok … dieser Punkt trifft definitiv auf mich zu! Ohne meine technischen Hilfsmittel bin ich aufgeschmissen. Das war auch mal anders, aber die Zeit hat das halt dahin entwickelt. Hier mal einige Denkanstöße… vielleicht kommt euch ja das eine oder andere bekannt vor:

  • Telefonnummern: Früher hat man sich die Telefonnummern irgendwie mit Eselsbrücken oder wie auch immer gemerkt … heutzutage braucht man das nicht mehr, denn so ziemliches jedes Telefon hat mittlerweile ein Telefonbuch.
  • Geburtstage: Ok .. Geburtstage konnte ich mir noch nie merken, aber jetzt ist es noch schlimmer. Sämtliche elektronischen Kalender erinnern einen an anstehende Geburtstage und zusätzlich bimmelt noch das Handy nachts um 0:00 Uhr wenn ein Geburtstag ist.
  • Adressen: Aufgefallen ist mir das im Urlaub … man sitzt am Strand und will eine Postkarte schreiben „wie verdammt noch mal war noch gleich die Adresse?“ Handy angeschmissen und unter den Kontakt nachgeschaut … schwuppdiewupp … da war die Adresse. Warum also noch Adressen merken?
  • Wege/Routen: Früher hat man sich Wege anhand von markanten Punkten gemerkt … „ach ja … an der und der Tankstelle musste ich rechts abbiegen“, aber heutzutage muss man sich dank der Navigationsgeräte die Route ja nicht mehr merken. Man konzentriert sich (mehr oder minder) nur noch auf’s Fahren, aber den Weg würde man beim nächsten Mal ohne Navi nicht mehr wiederfinden.
  • Rechtschreibung: Naja … eigentlich mache ich mir um meine Rechtschreibung keine Sorgen, denn ich finde die prinzipiell gar nicht so schlecht, aber dennoch nutze ich immer wieder die automatischen Rechtschreibprüfungen, um Fehler zu vermeiden.
  • Allgemeinwissen: Man kann ja nicht alles wissen … man muss nur wissen, wo man suchen muss. Nach dem Motto bewege ich mich oftmals im Netz. Ich nutze Wikipedia, Google und allgemein das Netz, um mein Allgemeinwissen aufzufrischen oder auch nur etwas nachzuschlagen.

Zusammengefasst muss ich wirklich mal wieder feststellen, das hier eine Veränderung stattfindet. Man nutzt die moderne Technik doch viel intensiver und viele Sachen, die früher mal manuell gemacht wurden oder die man sich merken musste, kann man nun technisch gestützt erledigen. Ich stimme dem Report hier zu, dass es sich nicht wirklich um eine Demenz handelt, sondern viel mehr um einen Wandel…. wie ich ja auch schon mehrfach in anderen Beiträgen geschrieben habe.

 

  1. 16. Dezember 2011, 11:23 | #1

    Hast du eine Quellenangabe zu der genannten koreanischen Studie?

  2. 16. Dezember 2011, 12:25 | #2

    @Luka
    Eine direkte Quelle zur eigentlich Studie habe ich leider nicht, da es sich um eine Umfrage handelte, die von der Job-Website Incruit in Auftrag gegeben wurde. Hier aber mal einen Link, der die Studie/Umfrage wiedergibt: http://rki.kbs.co.kr/english/news/news_zoom_detail.htm?No=2820

  1. 15. November 2011, 10:47 | #1
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