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kulturelle Unterschiede oder sag doch mal die Wahrheit…

6. Dezember 2011 Kommentare

Das Jahresende naht mit großen Schritten und wie in unserer Firma üblich stehen mal wieder die sog. End-Year-Performance-Reviews (Leistungsbewertung) an und genau diesbezüglich fällt mir wieder auf wie extrem anstrengend ich die kulturellen Unterschiede empfinde, die es so gibt. Das Performance-Review soll eigentlich dazu dienen, das der Vorgesetzte einem mal erzählen kann was er gut und was er schlecht empfunden hat. Es wird zwar Anfang des Jahres ein Zieldefinitionsgespräch geführt, aber meiner Auffassung nach geht es hier primär um das Feedback vom Manager. Und da hätten wir auch schon das Problem. Leider sitzt mein Chef in UK und somit gibt es da leider leichte kulturelle Interferenzen.

Ich hätte ja eigentlich erwartet mal eine ehrliche Meinung zu hören zu bekommen, aber leider sind die Engländer für so etwas einfach viel zu höflich. Ich habe eigentlich immer wieder gesagt „Could you please do me a favour and don’t be polite to me. I really would like to know your thoughts what I could do better„… aber .. nichts ist. Man bekommt einfach keine Kritik aus einem Engländer raus. Wie um alles in der Welt soll man sich denn da verbessern? Also wenn dem wirklich so wäre, wie einem in diesen Gesprächen mit einem Engländer gesagt wird, dann müsste es da ja eigentlich einen Schrein von einem geben, den die immer anbeten.

Ich frage mich wirklich warum das bei denen so ist? Bekommt man die Frage gestellt „Wie viel ist 2 plus 2“ und man antwortet mit „5“ dann sagt der Engländer nicht, dass das falsch ist, sondern er sagt „Good, it may be that you’re right but„. Verdorrinocheins… warum kann man nicht einfach sagen, dass die Antwort nicht richtig ist. Das hat doch nun wirklich nichts mit Politeness zu tun. Also ganz im ernst … ich finde es einfach nur anstrengend! Es gibt ganz einfach Fakten, die sind entweder richtig oder falsch!

Zurück zum Leistungsbewertungsgespräch… wozu führt man das eigentlich? Mal ganz im ernst … gedacht ist es (zumindest bei uns) dazu, um die Meinung des Managers zu bekommen. „Wie sieht mich mein Chef? Was läuft gerade ab? Was kann ich besser machen? Wo soll es hingehen?“ Es soll sicherstellen, das man auch mal die Meinung seines Chefs zu hören bekommt und da ja einige Vorgesetzte nicht so den Kontakt zu ihren Mitarbeitern suchen, sollen sie durch dieses Hilfsmittel dazu gebracht werden sich auch mal mit ihren Mitarbeitern zu unterhalten. Prinzipiell eine recht gute Sache, wie ich finde, aber auch hier gibt es einen Wermutstropfen. Abhängig von diesem Gespräch gibt es auch ein sog. Rating, also eine Beurteilung der Leistung ähnlich einer Schulnote und hier haben wir auch schon das Problem. Dieses Rating wird bei uns dazu benutzt die Höhe einer möglichen Bonuszahlung zu bestimmen. Was das bedeutet? Ganz einfach … jeder Mitarbeiter versucht natürlich eine möglichst gute Bewertung zu bekommen, da sich das ja direkt im eigenen Portemonnaie bemerkbar macht. Mal abgesehen von den möglichen Bewertungen (und das alleine könnte schon einen eigenen Blog-Beitrag ausmachen, würde hier aber definitiv zu weit führen), wird natürlich kein Mitarbeiter seinen Chef auf Schwachstellen hinweisen, denn das bedeutet ja zwangsläufig, das man weniger Geld bekommen könnte. Also meiner Meinung nach: Idee gut – Ausführung miserabel!

Eigentlich soll das Gespräch ja dazu dienen, dass die Performance der Mitarbeiter gesteigert wird… nunja … das wird meiner Meinung nach so nicht funktionieren, denn dazu müssten die Manager tatsächlich mal ehrlich und offen ihre Meinung sagen und man müsste das Gespräch von einer etwaigen Bonuszahlung loslösen. So bringt das meiner Meinung nach nicht besonders viel. Schade eigentlich!

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