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Es ziehen Wolken auf…

12. März 2012 Kommentare

Momentan wird massiv die sogenannte Cloud von verschiedenen Anbietern beworben. Da heißt es „Cloud … Deine Inhalte auf all Deinen Geräten“ und auch „Mit der Cloud bekommen jetzt all Ihre Daten ein neues Zuhause, wo Sie Ihre Musik, Fotos, E-Mails, Kontakte und vieles mehr sicher online speichern können und immer und überall Zugang dazu haben. Und dabei ist es ganz egal, ob Sie mit dem Smartphone, Computer, Tablet oder TV im Internet sind. Immer und überall Zugang zu meiner Welt: Mit der Cloud„. Durch diese Werbung soll die Cloud auch für private Anwender schmackhafter gemacht werden, doch was ist diese Cloud eigentlich, was für Vorteile hat sie und welche Nachteile gibt es eigentlich?

Cloud-Computing

Cloud-Computing

Bei der Cloud handelt es sich um ein Konzept aus der IT-Landschaft und ausführlich müsste man eigentlich Cloud-Computing sagen. Vereinfacht kann man sagen, dass man Teile des heimischen IT-Equipments (Hardware, Rechenleitung, Datenspeicher etc.) nicht mehr lokal daheim betreibt, sondern es zu einem externen Dienstleister irgendwo im Internet, metaphorisch in die Wolke, auslagert.

Der Zugriff auf die entfernten Daten und System erfolgt dann über das Netzwerk, also das Internet (wobei man auch im lokalen Netz einen Cloud-Dienst aufsetzen könnte, doch dazu vielleicht später etwas mehr).

Die Hauptbestandteile, die in der Cloud angeboten werden sind die Infrastruktur (Iaas; Infrastrcuture as a Service), die Plattform (PaaS; Platform as a Service) und die Anwendungen (Saas; Software as a Service). Die Unterschiede hierzu werde ich gleich noch erläutern.

Ich hatte vor einiger Zeit schon mal gewtittert: „Warum muss ich eigentlich immer an Gewitter denken, wenn von der Cloud die Rede ist?

Nunja… das kommt nicht von ungefähr, denn meiner Meinung bietet die Cloud nicht nur Vorteile sondern gerade für private Anwender auch einige nicht zu verachtende Nachteile.

Cloud!? Das mache ich niemals!

Das denken vielleicht einige von euch, aber wenn wir uns mal anschauen, was momentan so schwerpunktmäßig im Netz gemacht wird, dann werden wir feststellen, dass wir im Grunde schon sehr viele Cloud-Dienste nutzen, ohne das wir es eigentlich wahrnehmen. Man macht sich ganz einfach keine Gedanken drüber und nutzt ein Angebot aus dem Netz ohne zu wissen, dass ich hiermit eigentlich Daten in die Cloud schiebe. Ich gebe mal einige einfache Beispiele:

YouTube, das Video-Portal.Man bastelt daheim einen netten Film und will den mit anderen Personen teilen. Rasch hochgeladen zu YouTube und den Link an die Freunde weitergereicht. Hier haben wir schon den ersten Cloud-Dienst, denn ab dem Zeitpunkt des Hochladens nutze ich den Cloud-Dienst von YouTube und nutze den Speicherplatz, den mir YouTube bereitstellt. Hierbei handelt es sich um IaaS.
Google, die Datenkraken.

Google’s Cloud-Dienste zu beschreiben, ist gar nicht so einfach, denn Google bietet im Grunde eine endlose Reihe an Cloud-Diensten an, die viele Anwender bereits nutzen ohne zu wissen, dass sie sich gerade in der Wolke bewegen. Ich will hier nur enige Beispiele geben…

Google Mail: Hier wird im Grunde die Verarbeitung der Mail, sprich der Mail-Server, von Google betrieben und zusätzlich kann man die Mails auch dort liegenlassen und somit den Speicher von Google nutzen. Somit vereint das gleich zwei Bereich in sich: CaaS und IaaS.

Google Docs: Eine klassische Cloud-Anwendung, denn man muss kein Programm mehr installiert haben und kann dennoch Dokumente wie in einer Textverarbeitung erstellen. Hierbei handelt es sich um CaaS.

Google Search: Strenggenommen ist das auch ein Cloud-Dienst, denn man nutzt die Rechenleistung der Google-Server und auch die Datenbestände von Google. Hierbei dürfte es sich also um IaaS und CaaS handeln.

Google+: Das Gegenstück zu Facebook. Hier nutzt man gleich alle drei Bereiche der Cloud; IaaS (da man den Speicherplatz von Google nutzt), CaaS (wenn man z.B. Spiele dort spielt) und PaaS (da man ja die Platform von Google nutzt.

Hier könnte es noch beliebig weiter gehen, denn Google bietet ja noch unglaublich viele weitere Dienste an, wie z.B. Picassa, Google Maps, Google Groups, etc.

Facebook, die Datenkraken No. 2

Facebook unterscheidet sich kaum von Google, denn auch hier nutzt man reichlich Cloud-Dienste. Man speichert Daten in der Cloud (Bilder, Links, Videos…), nutzt deren Platform und auch den Rechenleistung.

ICQ, das Instant-Messaging-Tool

Ja… auch bei ICQ handelt es sich im Grunde um einen Cloud-Dienst. Man chattet hier mit seinen Kontakten und das passiert natürlich über die Server von ICQ (also PaaS) und da mittlerweile auch Spiele von ICQ angeboten werden, kann man hier auch sagen, dass man CaaS von ICQ nutzt.

Die Liste könnte mit Sicherheit noch beliebig weitergeführt werden und wie man anhand der Beispiele schon erkennen kann, nutzen wir bereits Cloud-Dienste ohne es zu wissen.

Hier auch mal ein kleines nettes Video zum Cloud-Computing:

Warum dann die Werbung?

Warum machen dann jetzt verstärkt die Cloud-Anbieter Werbung und was bieten die überhaupt an? Ganz einfach … die Anbieter vermarkten hier einen kleinen Teil des Cloud-Computing, den Onlinespeicher. Man soll hier seine Daten in die Wolke schieben und sie somit jederzeit und auf allen Geräten zur Verfügung haben.Klingt auf den ersten Blick eigentlich ganz nett und praktisch, aber um ehrlich zu sein, bin ich dem doch eher skeptisch gegenüber eingestellt.

Ich versuche hier mal eine kleine Gegenüberstellung aus meiner Sicht zu geben:

Pro Contra Vor- oder Nachteil?
Ich kann mir das Geld für teure Festplatten sparen und meine Daten einfach in der Cloud speichern. Heutzutage sind die Preise für Festplattenspeicher so verschwindend gering, dass auch die mittlerweile größere Datenmenge problemlos auf lokalen Festplatten liegen kann.
Ich muss mein Foto, meine Musik, mein eBook nur ein einziges mal speichern und habe es sofort auf allen meinen Geräten aktualisiert und in der aktuellsten Version verfügbar. Vorteil
Sollte daheim mal etwas mit meinem Computer / meiner Festplatte passieren, dann sind meine Daten dennoch sicher, da sie ja weiterhin in der Wolke liegen. Auch die Preise für externe Festplatten sind mittlerweile in solchen Bereichen angekommen, dass man sich problemlos einen externen Datenspeicher zulegen kann, um dort seine Daten zu sichern. Diese externe Festplatte kann man dann sogar räumlich woanders lagern und ist somit geschützt vor Datenverlust.
Eventuell nur geringe Kontrolle über meine Daten, denn ich kann mir nie sicher sein, was der Cloud-Anbieter mit meinen Daten macht und wie sorgfältig er mit meinen Daten umgeht. Nachteil
Hoher Datenverkehr im Internet, denn wenn jeder seine Daten in die Wolke schiebt und sie von dort auch abruft, nimmt der allgemeine Datenverkehr im Internet zu und es kommt bereits jetzt zu einigen Engpässen hier, die dann noch größer werden. Nachteil
Wenn ich meine Daten in die Wolke schiebe und sie von dort abrufe, dann besteht potentiell die Gefahr, dass diese „abgehört“ werden könnten, denn nicht jeder Anbieter muss zwangsläufig immer auf eine sichere Verschlüsselung  beim Datenverkehr setzen. Nachteil
Wenn mein privater Rechner kompromittiert wird (mit einem Virus oder durch einen Hacker), dann sind meine Daten generell in Gefahr und könnten potentiell verändert werden. Diese Gefahr besteht sicherlich auch bei der Wolke, wobei man hier sagen muss, das die Sicherheit in der Wolke vermutlich höher sein könnte, als die Sicherheit daheim; daher werde ich das mal als Vorteil aufführen. Vorteil
Wenn mein Cloud-Anbieter übernommen wird oder gar Insolvent geht, was passiert dann mit meinen Daten? Nachteil
Ich brauche eine ordentliche Datenverbindung, um immer ordentlich auf meine Daten zugreifen zu können, denn wie ich z.B. meine gesamten Daten eines Urlaubs (Belege, Fotos und Videos) in die Wolke schiebe, dann kann ich leicht auf einige Gigabyte kommen und die müssen erstmal ordentlich transportiert werden. Nachteil
Ich kann mein Geld sparen, das ich sonst in kostenintensive Hardware stecken müsste. Das ist für mich kein wirkliches Argument, denn die Cloud-Anbieter bieten ihre Dienste ja auch nicht aus Liebe zum User an. Meistens gibt es nur einen begrenzten Speicherplatz als Lockangebot und wenn man an diese Grenze kommt und mehr benötigt, dann muss man dafür zahlen.

Wie man sieht, überwiegen meiner Meinung nach die Nachteile, wobei das natürlich nur meine rein persönliche Meinung bezüglich der Daten in der Cloud betrifft. Selbstverständlich nutze auch ich die „unscheinbaren“ Cloud-Dienste wie Facebook, Google, ICQ usw, aber bisher habe ich zumindest keinen Online-Datenspeicher und ich habe auch nicht vor mir diesen zuzulegen.

Man könnte die Daten zwar prinzipiell verschlüsselt in die Cloud schieben (z.B. mit Hilfe von PGP), aber dann habe ich ja neue Probleme. Was soll dann mit meinem „Privat Key“ passieren? Wie sichere ich den? Ich könnte auf meine Daten nicht mehr direkt zugreifen bzw. Fotos nicht mehr direkt anzeigen lassen aus der Cloud, da ich sie ja nun immer verschlüsselt hätte.

Also wohin auch immer dieser Weg mit den Wolken gehen wird… ich habe da immer noch den Gedanken an eine Gewitterwolke im Kopf und ich bin noch nicht wirklich davon überzeugt, dass mir das irgendwelche Vorteile bringt.

:big_gruebel_ang:

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  1. 21. März 2012, 00:07 | #1

    sehr geiles blöcklein, gefällt mir!

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