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Lügen… es geht nicht ohne

14. März 2013 Kommentare

WahrheitsschildIch habe mal wieder einen sehr interessanten Bericht gesehen, der mich zu diesem Artikel hier angeregt hat. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es hier primär um die Lüge ging, aber zumindest wurde hier eine Aussage getroffen über die ich viel nachgedacht habe. Die Aussage lautete: „Es geht in unserem Leben nicht ohne eine Lüge und man kann nicht immer nur die Wahrheit sagen„.

Sicherlich eine sehr provokante Theorie, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr muss ich dem zustimmen.

Es gibt hier viele unterschiedliche Aspekte zu betrachten und ich will ganz sicher nicht sagen, dass ich das Lügen gut finde, aber dennoch scheint an der obigen Aussage wirklich etwas dran zu sein und genau das will ich mir hier mal ein wenig betrachten.

Schweigen ist Gold

Tja… da fängt es doch schon an, denn selbst das „Nichtsagen“ ist oftmals schon eine Lüge, denn die Aussage, das man nichts zu sagen hat, stimmt oftmals schon nicht. Es mag vielleicht nicht direkt eine Lüge sein, wenn man etwas nicht sagt, aber hier geht man meiner Meinung nach schon den ersten Schritt in Richtung Lüge.

Wie sieht es aus, wenn einem ein guter Freund sagt: „Ich bin so extrem verliebt. Sie ist die Liebe meines Lebens und sie will nur mich alleine“ und man weiß genau, dass „sie“ das nicht so sieht und ihn mit voller Absicht hintergeht. Würdet ihr es eurem Freund sagen? Vermutlich nein und so würdet ihr schweigen. Ist das dann nicht schon eine Lüge?

Sich selbst belügen

Das wird schon werden…“ Wer kennt diesen Satz nicht? Sicherlich hat sich das jeder schon mal selber gesagt, doch wie oft war das wirklich die eigene Meinung? Man spricht sich das ja selber zu, um eine Gewisse Angst vor irgendetwas zu nehmen, aber oftmals weiß man (oder man vermutet), dass das so gar nicht stimmt. Gerne kann man hier auch Beispiele aus der Schulzeit bringen, denn hat man damals nicht schon mal gesagt „Cool! Die Arbeit ist voll gut gelaufen und das wird bestimmt eine Eins oder Zwei“ oder aber auch der Satz „Huar… das ist mit Sicherheit eine Sechs„.

Wie oft haben diese Aussagen wirklich gestimmt? Wollte man sich mit diesen Aussagen nicht auch nur selber beruhigen und man wusste genau, dass diese Selbsteinschätzung nicht stimmt?

Ja, es mag gut sein, dass man mit dieser Lüge keinem schadet, aber hier geht es ja nicht darum die Lüge moralisch zu hinterfragen, sondern es geht darum, dass das Lügen anscheinend normal ist und sich irgendwie gar nicht wirklich vermeiden lässt.

Lügen, um besser dazustehen

“ I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky. I never told anybody to lie, not a single time; never.“ Wer kennt dieses Zitat nicht (guckst du HIER)? Es mag ja durchaus sein, das es hier einige Grauzonen gibt und der ehemalige Präsident meinte ja nur, das er nicht mit Miss Lewinsky geschlafen hat und seiner Meinung nach kann man ja Oralsex nicht dazu zählen, aber ich denke, dass das eine ganz klare und wasserdichte Lüge war. Dem Präsidenten war klar, was es für seinen Werdegang bedeuten würde, wenn er hier die Wahrheit sagen würde und so versuchte er es halt mit einer Lüge. Geklappt hat das zwar auch nicht, aber so malte er sich zumindest eine Chance aus.

HIerzu gibt es auch noch beliebe weitere Beispiele, wie Christoph Daum, der meinte, er habe keine Drogen genommen oder wie Erik Zabel oder Lance Amstrong, die natürlich niemals gedopt haben. Alle wussten die Wahrheit und dennoch haben sie versucht über eine Lüge besser dazustehen.

Jetzt könnte man sagen, dass das ja nur in prominenten Bereichen so gravierend vorkommt, aber hier möchte ich mal auf das Beispiel Lebenslauf eingehen. Wer bitteschön schreibt denn in einem Lebenslauf wirklich seine schlechten Eigenschaften? Logisch … das fällt auch ein wenig in den Bereich „Schweigen ist Gold“ und sicherlich grenzt es auch an den Bereich „sich selbst belügen“, aber auch hier wird sich mit Sicherheit die eine oder andere Lüge wiederfinden. Es gehört irgendwie dazu und scheint etwas ganz normales zu sein, den eigenes Lebenslauf ein wenig zu „schönen“ und mit der Wahrheit wird man bedauerlicherweise nicht besonders weit kommen.

Sehr schön sind sicherlich auch die unendlichen Beispiele aus der lieben Politik. Gibt es einen Politiker, der wirklich die Wahrheit sagt? Mit Sicherheit nein, denn dann würde ihn ja niemand wählen. Gerade in der Politik scheint es zum „guten Ton“ zu gehören, dass man das Volk belügt.

Lügen, des Profits wegen

Unser Produkt ist das Beste und selbstverständlich können wir ihnen den gewünschten Service bieten„, ist sicherlich oftmals eine sehr beliebte und übliche Aussage eines Vertriebsmitarbeiters. Wie sollte er es auch sonst machen? Welcher Kunde will denn schon wirklich die Wahrheit wissen? „Naja … unser Produkt ist ganz gut, aber es hat auch die eine oder andere Schwäche und vom Service … naja … wir geben unser bestes, aber an der einen oder andere Ecke hakt es schon mal…„. Welcher Kunde würde bei so einer Aussage schon kaufen? Vermutlich keiner und so bleibt dem Vertriebsmitarbeiter ja kaum etwas anderes als zu lügen.

Sehr gerne wird auch bei Fehlern dem Kunden gegenüber gesagt, dass das nur eine einmalige Sache gewesen sei und das man hier genauestens nachforschen würde wo genau der Fehler hergekommen sei. Aber ist das wirklich immer so? Ist ist das nicht oftmals nur eine Aussage, um nicht ganz zu schlecht vor dem Kunden dazustehen?

Lügen zum Selbstschutz

Leider muss auch oftmals gelogen werden, um sich selber zu schützen. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig befremdlich, aber genau so ist es. Wie sieht es denn zum Beispiel mit homosexuellen Fußballspielern aus? Gibt es die überhaupt? Generell … wie schwer tun sich immer noch viele Homosexuelle, die in der Öffentlichkeit stehen? Das ist sehr bedauerlich, dass sie immer noch Sanktionen befürchten müssen und das aus diesem Grund eine Lüge der anscheinend einzige Ausweg für sie ist.

Gleiches trifft natürlich auch auf andere Bereiche zu, wo man nicht der vermeintlichen Norm entspricht… sei es, das man BDSMler ist… sei es, das man in der Jugend eben nicht auf schnellen Sex, Kippen und Alkohol steht … und ich bin mir sicher, das man hier noch beliebig weiter machen könnte. Entspricht man nicht dem allgemeinem Bild der Norm, so ist man oftmals leider gezwungen zu lügen und es gehört eine unglaubliche Stärke dazu, zu sich selbst zu stehen.

Lügen, um nicht zu verletzen

Ja… oftmals lügt man auch ganz einfach, um den Gegenüber nicht zu verletzen. Ein ganz einfach Beispiel hierfür ist die Antwort auf die Frage „Bin ich zu dick?„. Mal ganz abgesehen davon, dass das eine vollkommen unsinnige Frage ist, da sie ja subjektiv ist, so wird es wohl kaum Menschen geben, die dann antworten „Jo… Du bist ein ganz schön fettes Schwein.„. So etwas sagt man ganz einfach nicht, weil man den anderen nicht verletzen will. Das ist vielleicht sehr überspitzt, aber ich habe auch noch ein einfacheres Beispiel. Man stelle sich vor ein sehr guter Freund oder eine sehr gute Freundin hat sich Hals über Kopf in jemanden verliebt. Was soll man dann auf die Frage „meinst Du er liebt mich auch so sehr?“ antworten? Hier wird mal wohl eher selten sagen, dass das bei dem anderen sicherlich nicht so sein wird. Selbstverständlich will man mit dieser kleinen Lüge den Freund/die Freundin aufbauen und so wird man sicherlich sagen „Ja. Er/sie liebt dich bestimmt genauso“.

Fazit

Wenn man sich all diese unterschiedlichen Szenarien mal durch den Kopf gehen lässt, dann wird man merken, dass es in der Tat nicht gänzlich ohne Lüge geht. Das ist zwar bedauerlich, aber es ist so.

Und solltet ihr nicht meiner Meinung sein, dann schlage ich euch mal ein Experiment vor. Versucht mal wirklich einen Monat lang immer und zwar wirklich IMMER die Wahrheit zu sagen und schaut euch an, wie es euch damit ergeht. Ich bin mir sicher, dass ihr nach diesem Experiment zustimmen werdet.

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